
2.4 Themenbereich: Deutsche Studierende im Ausland
Die Informations- und Datenlage zu diesem Themenbereich ist insgesamt ungünstiger als die zu den bisher erörterten Themenbereichen, obwohl es mehrere Informationsquellen gibt.
Informationsquelle: Studenten- und Prüfungsstatistik der amtlichen Hochschulstatistik
In beiden Statistiken sollen nach den Regelungen im Hochschulstatistikgesetz Informationen über studienbezogene Auslandsaufenthalte deutscher, aber auch ausländischer Studierender in der Vergangenheit durch die Hochschulen - wie bereits skizziert - bereitgestellt werden. Da zahlreiche Hochschulen diese Verpflichtung nicht oder nur unzulänglich erfüllen, gibt das eine erhebliche, nicht quantifizierbare Untererfassung. Die Daten der amtlichen Hochschulstatistik sind somit nicht geeignet, um Auskunft darüber zu geben, wie viele deutsche bzw. ausländische Studierende oder Absolventen während des laufenden Semesters oder während ihres bisherigen Studiums an einer ausländischen Hochschule eingeschrieben waren und studiert haben. Auf die Auswertung dieser Daten für "Wissenschaft weltoffen" muss daher weiterhin verzichtet werden.
Informationsquelle: Jährliche Länderumfrage des Statistischen Bundesamtes zu im Ausland studierenden Deutschen
Das Statistische Bundesamt führt jährliche eine Befragung bei mit Bildungsstatistik befassten Institutionen ausgewählter Zielländer deutscher Auslandsstudierender durch, um die Zahl der dort studierenden Deutschen nach Fachrichtungen zu ermitteln. Befragt werden solche Institutionen nur in Ländern, in denen nach verfügbaren Angaben - z.B. von der OECD - mehr als 125 deutsche Studierende an Hochschulen eingeschrieben sind. Die Umfrageergebnisse werden gegebenenfalls ergänzt durch Schätzungen. Aufgrund der langjährigen Erfahrungen geht das Statistische Bundesamt davon aus, dass die Ergebnisse im Jahr 2008 und in den Vorjahren für etwa 97% bis 99% der im Ausland studierenden Deutschen gelten.
Die Ergebnisse dieser Umfrage haben tolerierbare Unschärfen. An der Umfrage beteiligte Zielländer können nicht immer für das jeweilige Berichtsjahr Daten bereitstellen. Für diese Staaten schätzt das Statistische Bundesamt auf der Grundlage vorhandener Daten für vorausgehende Jahre die Zahl deutscher Auslandsstudierender. Diese Schätzungen können beträchtliche Entwicklungsänderungen nur unvollkommen beschreiben, insbesondere wenn sie umbruchartig geschehen.
Es ist nicht immer erkennbar, ob und inwieweit die Zahlen im Einzelnen nach einheitlichen bzw. vergleichbaren Kriterien in den einzelnen Staaten ermittelt wurden. Es bleibt beispielsweise oft unklar, wie der Hochschulbereich abgegrenzt worden ist und ob nur Studierende an solchen Einrichtungen erfasst werden, die mit deutschen Hochschulen als Ausbildungsstätten vergleichbar sind. Diesbezüglich sind in der Vergangenheit häufiger Nachjustierungen erfolgt.
Es lässt sich nicht in jedem Fall feststellen, ob die Studierenden nur einen Teil ihres Studiums im Ausland verbringen oder ob sie das Studium auch in diesem Land abschließen werden. Auch eine Differenzierung nach Erst- und Zweit- bzw. weiterführendem Studium ist nicht möglich. Darüber hinaus werden von den amtlichen Statistiken einiger weniger Länder "Programmstudierende" z. B. im Rahmen des ERASMUS-Programms nicht erfasst, sondern in Sonderstatistiken geführt.
Nicht alle Länder, die in die Umfrage einbezogen sind, können hinsichtlich der Fächer Informationen bereitstellen, die eine eindeutige Zuordnung zu dem Fächerschlüssel, der verwendet wird, ermöglichen. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die einzelnen nationalen Fächergliederungen sehr unterschiedlich sind. Für die fächerbezogenen Auswertungen hat das Statistische Bundesamt einen eigenständigen Fächerschlüssel entwickelt, der an den Schlüssel der Studenten- und Prüfungsstatistik "angelehnt" ist.
Wichtig vor allem für Vergleiche mit anderen Statistiken ist auch, nach welchem Konzept die Daten ermittelt werden. Erfolgt eine Stichtagerhebung oder wird jeder Deutsche erfasst, der im Laufe eines festgelegten Zeitraumes ein Zielland betritt, um zu studieren? Bei dem zuerst genannten Konzept können vor allem nicht alle Studierenden erfasst werden, die kürzere Zeit, als der Betrachtungszeitraum umfasst, an den ausländischen Hochschulen verbleiben.
Trotz dieser Unschärfen vermitteln diese Zahlen wichtige, der Realität nahe kommende Ergebnisse zum Auslandsstudium deutscher Studierender.
Während in der Studenten- und Prüfungsstatistik sowie in den Sozialerhebungen Informationen über Auslandsstudienaufenthalte im bisherigen Studium bzw. während des gesamten Studienverlaufs ermittelt werden, gibt die Länderumfrage des Statistischen Bundesamtes Auskunft über den Studienaufenthalt deutscher Studierender im jeweiligen Bezugsjahr. Dies sind inhaltlich unterschiedliche, nicht vergleichbare Informationen.
Seit zwei Jahren wird im Rahmen dieser Umfrage des Statistischen Bundesamtes für die Mehrzahl der einbezogenen Länder die Zahl der deutschen Absolventen im Ausland nach Abschlussart sowie seit einem Jahr ebenfalls die entsprechende Studierendenzahl nach Abschlussart erfasst.
Im Rahmen der DAAD-Studie "Internationale Mobilität deutscher Studierender" wurde im Jahre 2007 eine repräsentative Stichprobe deutscher Studierender zu ihren studienbezogenen Auslandsaufenthalten befragt. Die Befragung erfolgte internetgestützt mithilfe des HISBUS-Panels und wurde Anfang 2009 und 2011 wiederholt.
Die Studie untersuchte neben dem Umfang studienbezogener Auslandsaufenthalte u. a. auch Erfahrungen und Probleme deutscher Studierender im Zusammenhang mit Auslandsmobilität sowie Umfang und Interesse an einem Hochschulwechsel ins Ausland.
Das Kooperationsprojekt Absolventenstudien 2009 des International Center for Higher Education Research an der Universität Kassel hat die Absolventen des Jahrgangs 2007 und 2008 zu ihrer Auslandsmobilität während des Studiums und nach Studienabschluss befragt. An dieser Untersuchung beteiligten sich über 35.000 Absolventen von rund 50 deutschen Hochschulen. Die ermittelten Befunde sind im Wesentlichen als repräsentativ anzusehen.
