
2.9 Themenbereich: Internationaler Austausch von Wissenschaftlern
Die Daten- und Informationslage über den internationalen Austausch von Wissenschaftlern zwischen Deutschland und anderen Staaten ist sehr vielschichtig, heterogen und deshalb unbefriedigend und verbesserungsnotwendig.
Dabei vollzieht sich der Austausch von Wissenschaftlern in unterschiedlichen Formen:
Es gibt keine Institutionen in Deutschland, die Daten zum Wissenschaftleraustausch zentral, d.h. auf Bundes oder Länderebene nach einheitlichen Kriterien und Merkmalen erfasst und aufbereitet. Der Wissenschaftleraustausch ist nicht Gegenstand des Hochschulstatistikgesetzes, so dass die Statistischen Ämter, deren Aufgabe es ist, Daten landes- und/oder bundesweit einheitlich zu erfassen und aufzubereiten, dazu keinen Auftrag haben.
Von den zahlreichen Wissenschaftsorganisationen, die speziell Wissenschaftleraustausch fördern oder Forschung finanzieren, in deren Rahmen Wissenschaftleraustausch stattfindet, verfügen nicht alle über Statistiken zum Wissenschaftleraustausch, die Grundlage für eine institutionsübergreifende Statistik sein könnten. Einige wenige dieser Wissenschaftsorganisationen erfassen ihre Förderungen, u.a. auch des unmittelbaren Wissenschaftleraustauschs, statistisch sehr differenziert und vorbildlich. Die Daten werden von den verschiedenen Institutionen allerdings nicht nach organisationsübergreifend abgestimmten Definitionen und Schlüsseln erhoben und aufbereitet, sondern immer nur im Hinblick auf meist unterschiedliche organisationseigene Bedürfnisse.
Die meisten Hochschulen generieren im Rahmen ihrer Personalverwaltung Daten, die zumindest Auskunft geben könnten über bei ihnen angestellte ausländische Wissenschaftler in Lehre und Forschung und zur eigenen Weiterqualifizierung. Die Auswertungsmöglichkeiten, die diese durchaus merkmalreichen Daten der Personalverwaltung bieten, werden nur von wenigen Hochschulen für eigene Ziele und Zwecke, die die Auswertungsmodalitäten bestimmen, genutzt. Die Personal- und Stellenstatistik der amtlichen Hochschulstatistik enthält die erforderlichen Merkmale für geeignete Auswertungen bzw. Statistiken nicht.
Informationen über ausländische und deutsche Wissenschaftler, die ihren Auslandsaufenthalt aus verschiedenen Gründen "selbst" finanzieren und nicht durch eine deutsche Wissenschaftsorganisation einschließlich Hochschulen finanziert bekommen, können nur durch methodisch anspruchsvolle und finanziell aufwändige Befragungen von Hochschulinstituten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen ermittelt werden. Der hohe methodische Anspruch ergibt sich daraus, dass diese Personen hinsichtlich des Aufenthaltes häufig nicht in Verwaltungsvorgänge der gastgebenden bzw. entsenden Forschungseinrichtung einbezogen werden (müssen), so dass es kaum Ansatzpunkte für eine kontrollierte zentrale Erfassung gibt. Umso mehr ist es zu begrüßen, dass die DFG eine Befragung bei wissenschaftlichen Mitarbeitern der von ihr geförderten Projekte zur internationalen Orientierung durchgeführt hat. Zusammengefasste Ergebnisse werden in einem kurzen Beitrag präsentiert, um zu verdeutlichen, in welcher Richtung das Erfassungskonzept für "Wissenschaft weltoffen" weiterentwickelt werden muss, um den Erfassungsgrad von Auslandsbeziehungen zu erhöhen.
Seit der zuvor erwähnten Machbarkeitsstudie von HIS, mit der Bemühungen um eine Verbesserung der Situation eingeleitet wurden, besteht aus arbeitstechnischen und finanziellen Gründen nur die Möglichkeit, den von deutschen Förder- und Wissenschaftsorganisationen unmittelbar finanzierten Wissenschaftleraustausch zumindest teilweise zu erfassen. Alle auf andere Weise finanzierten Wissenschaftleraustausche müssen bis auf weiteres unberücksichtigt bleiben. Wie groß der Anteil des damit erfassten Wissenschaftleraustauschs zwischen Deutschland und anderen Staaten am gesamten oben skizzierten Austausch ist, lässt sich nicht schätzen, weil es keine Eckwerte für eine Hochschätzung gibt. Es fehlen Informationen zur "Grundgesamtheit des Wissenschaftleraustauschs". Es können deshalb nur Strukturen und Tendenzen aufgezeigt werden, die mit großer Vorsicht interpretiert werden müssen.
DAAD und HIS bitten jährlich etwa 40 Wissenschaftsorganisationen um Bereitstellung von Daten. Dabei handelt es sich ausschließlich um Informationen über den unmittelbar geförderten Wissenschaftleraustausch. Mittlerweile hat sich ein fester Kern von etwa 30 Organisationen herausgebildet, die kontinuierlich jährlich Daten bereitstellen.
HIS setzt die von den verschiedenen Institutionen jeweils nach eigenen Schlüsseln bereitgestellten Daten auf einheitliche Schlüssel - soweit sachlich vertretbar - auf Schlüssel der amtlichen Hochschulstatistik um, damit sie zusammengeführt und gemeinsam bezogen auf das Bundesgebiet ausgewertet werden können. Die so ermittelten Daten geben nur Auskunft über einen bis heute nicht genau abschätzbaren Teil des Wissenschaftleraustauschs zwischen Deutschland und der Welt. Der Wissenschaftleraustausch insgesamt ist erheblich umfangreicher und intensiver als hier ausgewiesen.
