16. Oktober 2025

„Fishing for Experience bringt Studierende in interdisziplinären und interkulturellen Teams zusammen“

Das Praxisprogramm „Fishing for Experience“, das im Career Center der Technischen Universität Hamburg (TUHH) angesiedelt ist, bringt inländische und internationale Studierende mit attraktiven Unternehmen der Metropolregion Hamburg zusammen. Dazu zählen namhafte Konzerne, mittelständische „Hidden Champions“ und kreative Start-ups. Doch was macht das Praxisprogramm so spannend für beide Seiten und welche Ziele werden dabei verfolgt? In dem Interview berichten die Projektkoordinatorinnen Frauke Kasting und Katrin Fimpel von der TUHH über den Ablauf des Programms und geben Einblicke in laufende Projekte.

Katrin Fimpel (links) hat einen Hintergrund in Kommunikation und Management sowie langjährige Erfahrung im internationalen Hochschulkontext. Frauke Kasting (rechts) ist Kommunikationswissenschaftlerin mit langjähriger Erfahrung im Hochschulbereich. (Bildquelle: TUHH, Career Center)

Wie ist die Kooperation der TUHH mit namhaften Unternehmen der Metropolregion Hamburg entstanden, und wie ist die Rückmeldung der Unternehmen zu dieser Zusammenarbeit?

Frauke Kasting: Die Kooperationen mit vielen unserer Partnerunternehmen sind durch gezielte Netzwerkarbeit, gemeinsame Veranstaltungen und gegenseitiges Interesse an praxisnaher Ausbildung entstanden und über viele Jahre hinweg gewachsen. Dabei profitieren wir besonders von unserer intensiven Kontaktpflege zu unseren Alumni, die das Praxisprogramm des TUHH Career Centers teilweise selbst in ihrer eigenen Studienzeit durchlaufen haben. Sie erinnern sich oft besonders gern an die TUHH und haben Lust, ihren Kontakt zu uns für die Nachwuchsgewinnung ihrer Unternehmen zu nutzen. Wenn sie dann tatsächlich selbst ein Fishing-Team betreuen, ist es dann besonders hilfreich, dass sie eine realistische Einschätzung von der Zusammenarbeit mit Studierendenteams haben.

Katrin Fimpel: Um auf den zweiten Teil der Frage zu antworten: Die Rückmeldungen der Unternehmen sind durchweg sehr positiv: Besonders geschätzt wird, dass Fishing for Experience Studierende in interdisziplinären und interkulturellen Teams zusammenbringt, die mit aktuellem Fachwissen und frischen Ideen innovative Lösungen hervorbringen, von denen viele direkt in der Unternehmenspraxis Anwendung finden.

Was sind genau die Inhalte des von Ihnen erwähnten Praxisprogramms, wie gestaltet sich der Ablauf, und wie werden die Studierenden für die Projektteams ausgewählt?

Katrin Fimpel: Fishing for Experience ist ein Praxisprogramm des TUHH-Career Centers, in dem Studierende in Teams kreativ und eigenverantwortlich an realen Unternehmensprojekten arbeiten. Dabei werden sie einerseits durch das Career Center in Form von Workshops zu Teambuilding, agilem Projektmanagement und Führung begleitet, andererseits arbeiten sie in engem Austausch mit ihrem Partnerunternehmen.

Während der fünfmonatigen Projektphase organisieren sich die Teams selbst, definieren Rollen, reflektieren ihre Zusammenarbeit und üben wertschätzende Kommunikation sowie einen konstruktiven Umgang mit Konfliktsituationen. Im Mittelpunkt steht dabei die eigenständige Entwicklung technischer Lösungen – von der ersten Idee bis zur praxisnahen Umsetzung. Den Abschluss bildet eine Präsentation, bei der die Ergebnisse als wissenschaftliches Poster vorgestellt werden.

Frauke Kasting: Die Teams stellen wir zusammen und wählen die Teammitglieder anhand ihrer Bewerbungen mit Motivationsschreiben und Lebenslauf aus. Dabei achten wir insbesondere auf ihre Vorerfahrung, denn wir wollen ja, dass sie die Aufgabe gut lösen können. Darüber hinaus ist es uns aber auch besonders wichtig, kulturell vielfältige Teams zusammenzustellen, damit sie auch wirklich eine interkulturelle Lernerfahrung haben.

Katrin Fimpel: Ziel ist es, die Studierenden bestmöglich zu fördern und die Unternehmen mit talentierten Nachwuchsingenieurinnen und -ingenieuren in Kontakt zu bringen. Der direkte Unternehmenskontakt ermöglicht nicht nur praxisnahe Projektarbeit, sondern schafft auch Verbindungen und Orientierung für den weiteren Karriereweg.

Können Sie uns interessante Lösungsansätze und Ergebnisse der Zusammenarbeit der Studierenden und der Unternehmen nennen sowie Einblicke in laufende Projekte geben?

Frauke Kasting: Ein aktuelles Projekt widmet sich der Entwicklung eines selbstfahrenden Werkzeugwagens, dem sogenannten Cleaning Buddy, der benötigte Geräte autonom transportieren und somit Mitarbeitende bei ihrer Arbeit unterstützen soll. Das System kombiniert präzise Sensorik, eine Mikrocontroller-Steuerung und ein robustes Antriebskonzept. Dadurch kann vielseitigen Einsatzbedingungen gerecht werden – ein anschauliches Beispiel dafür, wie technisches Know-how die Effizienz im Arbeitsalltag steigern kann.

Katrin Fimpel: Ein weiteres Projekt beleuchtet den Zusammenhang zwischen digitaler Datennutzung und Nachhaltigkeit. Dabei ist ein CO₂-Rechner für digitale Daten entstanden, der Unternehmen hilft, ihre Emissionen besser zu erfassen und gezielt zu reduzieren. Die Studierenden analysierten relevante Datenquellen, entwickelten eine benutzerfreundliche Oberfläche und identifizierten konkrete Maßnahmen zur Emissionsminderung – etwa durch bewussteren Umgang mit digitalen Geräten und Datenvolumen.

Diese und weitere Projekte zeigen, wie Studierende im Rahmen von Fishing for Experience innovative Lösungen für reale Herausforderungen entwickeln. Die Teilnehmenden entwickeln Future Skills, sammeln wertvolle Erfahrungen im Team und übernehmen Verantwortung für ihre Projekte. So wachsen die Teilnehmenden nicht nur fachlich, sondern auch persönlich – und gestalten aktiv die Arbeitswelt von morgen mit.

Quelle: Eric Lichtenscheid

Autor: Dr. Jan Kercher, DAAD

Jan Kercher ist seit 2013 beim DAAD tätig und Projektleiter für die jährliche Publikation Wissenschaft weltoffen. Darüber hinaus ist er im DAAD für verschiedene andere Projekte zum Austausch zwischen Hochschulforschung und Hochschulpraxis sowie die Durchführung von Studien- und Datenerhebungsprojekten zur akademischen Mobilität und Internationalisierung der Hochschulen zuständig.

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