26. November 2025

„Die fortschreitende Internationalisierung des deutschen Wissenschaftssystems scheint den weltweiten Re-Nationalisierungstendenzen zu trotzen“

Heute wurde die 25. Hauptausgabe von Wissenschaft weltoffen veröffentlicht. Die vom DAAD und dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) gemeinsam herausgegebene Publikation wird auf Seiten des DZHW seit Ende 2024 von Dr. Nicolai Netz betreut. Im Interview spricht er über seine wichtigsten Learnings seit dem Einstieg bei Wissenschaft weltoffen, die zentralen Stärken des Projekts und die wichtigsten Befunde und Neuerungen der diesjährigen Hauptausgabe.

Dr. Nicolai Netz ist Projektleiter von “Wissenschaft weltoffen” am Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) und erforscht verschiedene Formen und Aspekte der internationalen akademischen Mobilität. (Bildquelle: Petra Nölle)

Herr Netz, Sie haben Ende 2024 die Projektleitung von „Wissenschaft weltoffen“ am DZHW übernommen. Was haben Sie seit seitdem über das Projekt gelernt, das Ihnen vorher noch nicht bewusst war?

Ich war überrascht, wie viele verschiedene Datenquellen im Rahmen des Projekts ausgewertet werden – nicht nur zur internationalen Mobilität von Studierenden sowie Forschenden und Lehrenden, sondern auch zu Themen wie Studienabbruch und Bleibeabsichten internationaler Studierender in Deutschland, virtueller Mobilität, Kooperationsbeziehungen in der Wissenschaft und strukturellen Grundlagen der Internationalisierung des deutschen Hochschul- und Wissenschaftssystems.

Durch die Arbeit mit der Vielzahl an Datenquellen, die wir im Projekt verwenden, habe ich einen noch viel besseren Überblick bekommen, welche Fragen in den Themenbereichen der internationalen Mobilität und Internationalisierung sich zufriedenstellend beantworten lassen – und wo es weiterer beziehungsweise besserer Daten bedarf.

Mit Ihrem noch relativ frischen Blick auf die Publikation und das Gesamtprojekt: Was sind die zentralen Stärken von „Wissenschaft weltoffen“ und wie können die Zielgruppen von „Wissenschaft weltoffen“ diese am besten nutzen?

Unter einem recht konsistenten konzeptionellen Dach vereint „Wissenschaft weltoffen“ empirische Bestandsaufnahmen zu ganz unterschiedlichen Facetten der Internationalisierung des Hochschul- und Wissenschaftssystems. Hierbei handelt es sich meines Wissens um ein Alleinstellungsmerkmal des Projekts.

Außerdem handelt es sich um ein Projekt, das sowohl für die Politik und Praxis als auch für die Wissenschaft einen hohen Nutzen bieten kann. Von politischen Akteuren und den Hochschulen werden die Projektpublikationen – Wissenschaft weltoffen kompakt und der jährliche Hauptbericht – ebenso wie das reichhaltige Online-Angebot auch schon stark genutzt. Ich persönlich würde mir wünschen, dass Forschende die vielfältigen empirischen Analysen des Projekts noch stärker als Ausgangspunkt zur Bearbeitung vertiefender Forschungsfragen nutzen.

Nutzen können thematisch Interessierte übrigens nicht nur die Projektpublikationen und Daten, die auf der Projekt-Webseite heruntergeladen werden können, sondern auch die Service-Stelle für nicht-kommerzielle Datenanfragen. Wenn man beispielsweise für die eigene Hochschule differenzierte Auswertungen zu den internationalen Studierenden oder dem internationalen Wissenschaftspersonal nach bestimmten Merkmalen benötigt, die aus Platzgründen nicht in „Wissenschaft weltoffen“ enthalten sind, kann man diese Auswertungen bei der Service-Stelle kostenlos anfordern.

Zum Abschluss: Wenn Sie sich die neue Ausgabe von „Wissenschaft weltoffen“ anschauen: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Befunde und auf welche wichtigen Neuerungen würden Sie unseren Leserinnen und Lesern gerne hinweisen?

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die fortschreitende Internationalisierung des deutschen Hochschul- und Wissenschaftssystems den weltweit zu beobachtenden De-Globalisierungs- und Re-Nationalisierungstendenzen zu trotzen scheint. Bei der Mehrzahl der herangezogenen Indikatoren zur Messung der Internationalisierung des deutschen Hochschul- und Wissenschaftssystems beobachten wir positive Tendenzen. Ob die Zahlen der internationalen Studierenden sowie Forschenden und Lehrenden in Deutschland, der englischsprachigen Studiengänge, der internationalen Hochschulkooperationen oder der akquirierten internationalen Drittmittel – fast alle befinden sich auf Höchstständen. Etwas anders verhält es sich bei den studentischen und wissenschaftlichen Auslandsaufenthalten. Im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Pandemie verbringen immer noch etwas weniger Studierende, Forschende und Lehrende aus Deutschland Zeit im Ausland.

Hinweisen möchte ich auf einige thematische Neuerungen in der gerade erschienenen Hauptausgabe von „Wissenschaft weltoffen“. Diese enthält zum Beispiel neue Analysen zu Mobilitätsströmen von Studierenden in Europa, zum Studienabbruch internationaler Studierender, zur Organisation und Finanzierung von Auslandsaufenthalten sowie zu virtuellen Auslandserfahrungen. Sie enthält außerdem eine ganze Reihe von Untersuchungen der Strukturen, die Internationalisierung des Hochschul- und Wissenschaftssystems ermöglichen – wie beispielsweise das internationale Verwaltungspersonal der Hochschulen in Deutschland. Wie jedes Jahr stehen auch viele neue Grafiken auf der Projektwebsite zum Download als Bild- oder Excel-Datei bereit. Diese können für nicht-kommerzielle Zwecke ohne Rückfrage bei uns genutzt werden, wenn dabei die Quelle angegeben wird. Ganz besonders möchte ich auf die drei spannenden Schlaglichter unserer Gastautorinnen und Gastautoren hinweisen. Diese liefern vertiefenden Analysen zum Einfluss exogener Schocks auf die internationale Mobilität von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, zu Mobilitäts- und Karrierepläne von internationalen Promovierenden in Deutschland und zum Stand der virtuellen Internationalisierung an Hochschulen in Deutschland.

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Quelle: Privat

Autorin: Naomi Knüttgen, DAAD

Naomi Knüttgen ist seit 2019 beim DAAD tätig und seit 2020 an der jährlichen Publikation Wissenschaft weltoffen beteiligt. Im Referat für Forschung und Studien untersucht sie insbesondere die internationale Studierenden- und Wissenschaftlermobilität sowie die Hochschulinternationalisierung im Asiatisch-Pazifischen Raum.

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