“Die Student Journey beginnt bereits vor der Einschreibung an einer deutschen Hochschule”
Wie können Tools und Angebote zur digitalen Studienvorbereitung die Internationalisierung der Hochschulen unterstützen? Und welche Herausforderungen ergeben sich hierbei aus Sicht der Hochschulen? Mit diesen Fragen befasste sich eine Onlinebefragung des DAAD unter Hochschulmitarbeitenden, deren Befunde nun in der Publikationsreihe “DAAD Forschung kompakt” veröffentlicht wurden. Verfasst wurde die Publikation von Dr. Melanie Brück, Referentin und Teamleiterin im Digitalisierungsreferat des DAAD, die die Befragung auch betreut und ausgewertet hat. Im Interview mit uns erläutert sie den Anlass und die Methodik der Befragung, deren wichtigste Befunde sowie die Handlungsempfehlungen, die sich hieraus für Hochschulen ableiten lassen.
Dr. Melanie Brück ist für den DAAD im Referat für Digitalisierung tätig und als Teamleiterin am My GUIDE Campus Projekt beteiligt. (Bildquelle: privat)
Liebe Frau Brück, was war der Anlass für die von Ihnen betreute Befragung und wie sind Sie dabei methodisch vorgegangen?
Mit My GUIDE betreibt der DAAD eine Online-Plattform zur individuellen Studienorientierung und Studienvorbereitung für internationale Studieninteressierte. Im My GUIDE Campus-Projekt haben wir uns unter anderem das Ziel gesetzt, die Hochschulen als Nutzendengruppe stärker in den Fokus für den Ausbau unserer Plattform zu nehmen. Um die aktuelle Lage im Bereich Digitalisierung und Internationalisierung aus Perspektive der Hochschulen besser verstehen zu können, haben wir uns für eine Onlinebefragung entschieden. Diese richtete sich an Hochschulmitarbeitende verschiedenster organisatorischer Zugehörigkeiten, die sich operativ oder strategisch mit Internationalisierung beschäftigen. Zur Vorbereitung der Befragung haben wir zunächst die Themenfelder identifiziert, zu denen wir konkreten Input benötigten und diese mit Variablen wie der Hochschulgröße oder den Tätigkeitsschwerpunkten kombiniert. Dadurch konnten wir die Rückmeldungen zu den jeweiligen Themengebiete unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten.
Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Befunde Ihrer Analyse? Gab es dabei auch Befunde, die Sie überrascht haben?
Zunächst haben sich viele unserer Vermutungen bestätigen lassen. Internationalisierung ist als strategisches Ziel an den Hochschulen etabliert. Es lässt sich zudem ein erhöhter Beratungsbedarf der internationalen Studierenden feststellen, der bereits vor dem Antritt des Studiums besteht. Gleichzeitig stehen die Hochschulen vor der Herausforderung, dass ihre Beratungsstrukturen zunehmend belastet werden. Das Potenzial digitaler Formate, hier nicht nur eine Entlastung zu bieten, sondern auch zur besseren Information und Studienvorbereitung dieser Zielgruppe beizutragen, wird definitiv von den Hochschulen gesehen. Allerdings wurde durch die Umfrage auch deutlich, dass es hier oft an Ressourcen fehlt, diese digitalen Angebote zu erstellen und zu etablieren.
Überrascht hat uns hier vor allem die außerordentlich hohe Datenqualität. Die Aussagekraft einer Onlinebefragung steht und fällt mit der Qualität der Antworten und Angaben der Teilnehmenden. Dadurch gleicht die Auswertung von Umfragen oft dem Versuch, ein unscharfes Bild scharfzustellen, da man die Daten bereinigen, d.h. viele Antworten herausfiltern muss. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Fragen unvollständig beantwortet werden und damit das Ergebnis verzerren können. Dank des sehr hohen Engagements der teilnehmenden Hochschulmitarbeitenden haben wir allerdings einen Datensatz erhalten, der eine außergewöhnliche inhaltliche Tiefe für eine Onlineumfrage besitzt. Die Antworten waren sehr detailliert und die durchschnittliche Bearbeitungszeit hat darauf hingewiesen, dass die Angaben sehr bedacht gemacht wurden. Dies führte zu einer hohen Belastbarkeit der Ergebnisse, wodurch sich die tatsächlichen Herausforderungen und Meinungen an der Hochschule relativ unverfälscht widerspiegelten.
Vor dem Hintergrund dieser Befunde: Welche Handlungsempfehlungen ergeben sich aus Ihrer Sicht hieraus für Hochschulen?
Durch die Umfrage wurde noch einmal deutlich, dass die Student Journey bereits vor der Einschreibung an einer deutschen Hochschule beginnt, und dass Unterstützung in dieser Phase sowohl eine bessere Passung von Studierenden und Hochschule als auch eine Entlastung der Beratungsstrukturen bewirken kann. Daher erachten wir es als sehr sinnvoll, digitale Angebote zur Studienvorbereitung und zur Beratung auch in dieser frühen Phase deutlich auszubauen. Zudem hat sich bestätigt, dass Hochschulen zunehmend auf Daten für Hochschulmarketing, Monitoring und Beratungsprozesse angewiesen sind und hierfür bereits zahlreiche digitale Tools als Einzellösungen einsetzen. Durch ein gezieltes Zusammenbringen der jeweiligen Daten könnten ein digitales Zusammenspiel von Marketing, Beratung, und Studienvorbereitung ermöglicht und dadurch die jeweiligen Handlungsfelder gestärkt werden. Zusammenfassend empfehlen wir, dass Digitalisierung und Internationalisierung unbedingt zusammengedacht werden, und zwar sowohl auf strategischer als auch auf operativer Ebene.
Zur Person
Dr. Melanie Brück ist Sprachwissenschaftlerin und hat an den Universitäten Köln, Duisburg-Essen und Wuppertal verschiedene Lehr- und Forschungsprojekte durchgeführt. Seit August 2024 ist sie für den DAAD im Referat für Digitalisierung tätig und als Teamleiterin am My GUIDE Campus Projekt beteiligt.
Weiterführende Informationen
Brück, M. (2026). Digitale Studienvorbereitung und Internationalisierung an deutschen Hochschulen (DAAD Forschung Kompakt). Bonn: DAAD. https://doi.org/10.46685/DAADStudien.2026.01
Vögtle, E. M., Marinoni, G., & Ferreira Santos, L. (2025). Internationalisierung im digitalen Wandel: Zentrale Ergebnisse einer Untersuchung zu Strategien, Treibern, Prioritäten und Herausforderungen der virtuellen Internationalisierung an deutschen Hochschulen (DAAD Forschung kompakt). Bonn: DAAD. https://doi.org/10.46685/DAADStudien.2025.07
Vögtle, E. M., Marinoni, G., Ferreira Santos, L., Berg, J., & Nakvatska, K. (2025). Internationalisation in the Digital Transformation: A study on the strategies, drivers, priorities, and challenges of virtual internationalisation at German higher education institutions (DAAD Studies). Bonn: DAAD. https://doi.org/10.46685/DAADStudien.2025.06
Jan Kercher ist seit 2013 beim DAAD tätig und Projektleiter für die jährliche Publikation Wissenschaft weltoffen. Darüber hinaus ist er im DAAD für verschiedene andere Projekte zum Austausch zwischen Hochschulforschung und Hochschulpraxis sowie die Durchführung von Studien- und Datenerhebungsprojekten zur akademischen Mobilität und Internationalisierung der Hochschulen zuständig.