13. Mai 2026

„Die Corona-Pandemie hat der internationalen Studierendenmobilität kaum geschadet“

Die neue Kompaktausgabe von Wissenschaft weltoffen wurde in diesem Jahr etwas später als gewohnt veröffentlicht, da Aufbau und Inhalt der Publikation von den verantwortlichen Projektpartnern, DAAD und DZHW, grundlegend überarbeitet wurden. Im Interview erläutert Naomi Knüttgen, eine der beiden Projektleitenden beim DAAD, welche Änderungen der Relaunch konkret umfasst, wie sich Haupt- und Kompaktausgabe von Wissenschaft weltoffen zueinander verhalten und welche Daten der neuen Kompaktausgabe aus ihrer Sicht besonders bemerkenswert sind.

Naomi Knüttgen ist Referentin im Referat Forschung und Studien des DAAD und untersucht im Rahmen des Projektes Wissenschaft weltoffen insbesondere die internationale Studierenden- und Wissenschaftlermobilität. (Bildquelle: Thomas Pankau)

Liebe Frau Knüttgen, die diesjährige Ausgabe von Wissenschaft weltoffen kompakt ist etwas später erschienen als sonst üblich. Ein wichtiger Grund hierfür war die grundlegende Überarbeitung des Publikationskonzeptes. Können Sie erläutern, was der Grund für diese Überarbeitung war und was genau sich im Vergleich zu den bisherigen Ausgaben verändert hat?

Mit diesem Relaunch haben wir die Kompaktausgabe von Wissenschaft weltoffen grundlegend an die Struktur der Hauptausgabe angepasst. Unser Ziel war es dabei, den Leserinnen und Lesern auch hier alle Themengebiete zur Verfügung zu stellen, die Wissenschaft weltoffen zu bieten hat. Denn bislang waren in der Kompaktausgabe nur vier Themenbereiche bzw. Kapitel der Hauptausgabe abgedeckt. Da die Hauptausgabe aber seit mittlerweile zwei Jahren insgesamt sechs Kapitel beinhaltet, wurde es aus unserer Sicht Zeit, die Kompaktausgabe auch entsprechend zu erweitern.

Die neue Kompaktausgabe bildet nun neben den bisherigen Themenbereichen – den internationalen Studierenden weltweit, den internationalen Studierenden in Deutschland, den deutschen Studierenden im Ausland und den internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland – auch die Daten zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland im Ausland sowie den Strukturen der Internationalisierung an deutschen Hochschulen ab. Dafür haben wir den Umfang um lediglich vier Seiten erhöht, die Kompaktausgabe bleibt also weiterhin übersichtlich und handlich, gleichzeitig werden darin nun aber alle wichtigen Themen aus dem Portfolio der Hauptausgabe von Wissenschaft weltoffen abgedeckt. Sollte aber trotzdem jemand beim Lesen das Gefühl haben, dass eine besonders wichtige Information oder Abbildung aus der Hauptausgabe fehlt, kann man sich gerne jederzeit bei uns melden, solche Rückmeldungen sind für uns immer sehr hilfreich!

Die Kompaktausgabe von Wissenschaft weltoffen erscheint immer im Frühjahr, im halbjährlichen Wechsel zur Hauptausgabe, die dann im Herbst erscheint. Warum ist das so? Und welche Konsequenzen ergeben sich aus der versetzten Veröffentlichung für die Nutzung beider Ausgaben?

Bis 2014 gab es tatsächlich nur die Hauptausgabe von Wissenschaft weltoffen, die schon immer jährlich im Herbst veröffentlich wurde, quasi zum Beginn des Wintersemesters. Nun ist es aber so, dass die verschiedenen Datenquellen, die wir in Wissenschaft weltoffen nutzen, über das Jahr zu jeweils unterschiedlichen Zeitpunkten ihre Statistiken aktualisieren. Einige der grundlegenden Daten, vor allem die des Statistischen Bundesamtes, werden eher zum Jahresende hin, bzw. Anfang des darauffolgenden Jahres veröffentlicht, wenn sich die Hauptausgabe bereits in der Endredaktion befindet oder schon veröffentlicht ist. Der Veröffentlichungstermin der Kompaktausgabe im Frühjahr wurde also ganz bewusst gewählt, um den Leserinnen und Lesern die neuesten Daten „nachliefern“ zu können, die es nicht mehr in die vorangegangene Hauptausgabe geschafft haben.

Das heißt konkret, dass in der Kompaktausgabe eines Jahres zum ersten Mal die aktuellen Daten zur weltweiten Studierendenmobilität, zu den internationalen Studierenden, zum internationalen Wissenschaftspersonal in Deutschland sowie zu den deutschen Studierenden im Ausland zu finden sind, die in der nachfolgenden Hauptausgabe dann tiefergehend ausgewertet werden. Das heißt aber nicht, dass in der Hauptausgabe dann nur Daten zu finden sind, die bereits in der Kompaktausgabe enthalten waren. Denn zum einen ist der Umfang der dargestellten Daten in der Hauptausgabe ja deutlich größer.  Und zum anderen gibt es auch Datenbestände, die in der Hauptausgabe zum ersten Mal veröffentlicht werden. Hierzu zählen die Daten zum Wissenschaftspersonal an außeruniversitären Forschungseinrichtungen, zu den geförderten Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftlern sowie sämtliche Daten zu den Strukturen der Internationalisierung an Hochschulen in Deutschland im Kapitel F. Teilweise werden diese Daten auch von unserem Projektpartner, dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung – kurz: DZHW – extra für die Hauptausgabe erhoben. Dies beinhaltet die Daten zu den geförderten Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftlern, die Daten zu den internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Studienkollegs sowie die Daten zum Personal der International Offices.

Schauen wir abschließend auch noch auf die Inhalte der neuen Ausgabe: Wenn Sie drei besonders spannende Befunde oder Abbildungen auswählen müssten, um sie unseren Leserinnen und Lesern besonders ans Herz zu legen, welche wären das?

Ich finde es bemerkenswert, dass die Studierendenmobilität weltweit wieder deutlich zugenommen hat. Im Jahr 2023 waren 7,3 Millionen Studierende außerhalb ihres Herkunftslandes eingeschrieben, das waren etwa 400.000 mehr als im Jahr zuvor. Diese Entwicklung zeigt auch, dass die Corona-Pandemie der internationalen Studierendenmobilität kaum geschadet hat, abgesehen von einem kurzfristigen und nur leichten Rückgang im Jahr 2021. Mittlerweile liegen wir deutlich über dem Vor-Corona-Niveau von 6,1 Millionen Studierenden im Jahr 2019 und ein Ende des jährlichen Wachstums ist derzeit auch nicht absehbar.

Diese Entwicklung bestätigt sich auch in Deutschland: Hier waren im Wintersemester 2024/25 rund 402.000 internationale Studierende eingeschrieben und somit mehr als je zuvor. Bei mehr als der Hälfte von ihnen handelt es sich um MINT-Studierende, die nach ihrem Abschluss auf dem deutschen Arbeitsmarkt besonders begehrt sein werden.

Auch beim internationalen Wissenschaftspersonal der Hochschulen in Deutschland war 2024 erneut ein Anstieg festzustellen, auf jetzt rund 68.300 Beschäftigte bzw. 16 Prozent des gesamten Wissenschaftspersonals. Zum Vergleich: 2014 lagen wir hier noch bei rund 41.000 Beschäftigten bzw. zwölf Prozent, die Entwicklung in den letzten zehn Jahren war hier also auch erfreulich dynamisch.

Zum Schluss würde ich gerne auch noch auf zwei wichtige Neuerungen bei den Statistiken hinweisen: Zum einen wurde die Erasmus-Statistik auf Kalenderjahre umgestellt. Die bisherige Statistik basierte auf Erasmus-Förderperioden, die je nach Programmgeneration unterschiedlich lang dauerten, zwischen zwölf und 26 Monaten. Nun haben wir hier erfreulicherweise – wie bei den meisten anderen Zeitreihen auch – eine leicht nachvollziehbare und über die Jahre hinweg vergleichbare Datenbasis.

Ganz neu aufgenommen haben wir darüber hinaus die Daten aus der neuen Promovierendenstatistik, in der auch die nicht eingeschriebenen Promovierenden erfasst werden. Bislang gab es zwei Statistiken, die Daten zu Promovierenden auswiesen: die Studierendenstatistik, in der nach bildungsausländischen und -inländischen Promovierenden unterschieden werden konnte, die aber nur die eingeschriebenen Promovierenden erfasste. Und die bisherige Promovierendenstatistik, die auch nicht eingeschriebene Promovierende erfasste, aber keine Differenzierung nach bildungsausländischen und -inländischen Promovierenden zuließ. Da diese Differenzierung jetzt aber auch in der Promovierendenstatistik möglich ist, haben wir sie in unsere Berichterstattung aufgenommen, die Zählung der internationalen Promovierenden ist dadurch nun vollständiger als bisher.

Wie sich an diesen beiden Beispielen gut aufzeigen lässt, bemühen wir uns bei jeder neuen Ausgabe von Wissenschaft weltoffen, die erfassten Daten noch vollständiger, aussagekräftiger und hilfreicher für unsere Leserinnen und Leser zu machen. Und auch hier gilt: Hinweise zu relevanten und bislang noch nicht erfassten Datenquellen sind jederzeit herzlich willkommen!

Quelle: Eric Lichtenscheid

Autor: Dr. Jan Kercher, DAAD

Jan Kercher ist seit 2013 beim DAAD tätig und Projektleiter für die jährliche Publikation Wissenschaft weltoffen. Darüber hinaus ist er im DAAD für verschiedene andere Projekte zum Austausch zwischen Hochschulforschung und Hochschulpraxis sowie die Durchführung von Studien- und Datenerhebungsprojekten zur akademischen Mobilität und Internationalisierung der Hochschulen zuständig.

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